Positive Psychologie ist ein Teilgebiet der Psychologie, dessen Methoden sich an unseren Stärken orientiert und besonders auch bei älteren Menschen gute Ergebnisse bringen kann
Zufrieden im Alter mit Positiver Psychologie

Immer wieder stoßen wir in den Medien auf den Begriff der Positiven Psychologie. Auch beim Vortrag von Pasqualina Perrig-Chiello im Rahmen der Wiener Gesundheitsförderungskonferenz 2025 über „Glück im Alter“, wurde der Begriff mehrmals genannt. Für uns ist das ein Anlass, genauer anzusehen, was dahintersteckt.
Was ist Positive Psychologie?
Positive Psychologie wird manchmal mit positivem Denken verwechselt. Doch sie ist weit mehr. Sie fragt zusätzlich: Welche Stärken sind schon da? Was lässt sich stärken, damit Alltag und Gesundheit tragfähiger werden? Inhaltlich bedeutet das: Sie untersucht nicht in erster Linie Probleme, sondern die Bedingungen für ein gelingendes Leben: Sie versucht herauszuarbeiten, was uns stärkt, trägt und länger gesund hält. Sie geht damit weg von einer reinen Reparatur-Perspektive hin zu Forschung über Stärken, Tugenden und gelingende Lebensführung. Die Methoden der Positiven Psychologie werden bis heute in Studien getestet und laufend verbessert.
Woher kommt die Positive Psychologie?
Die moderne Bewegung hat sich Ende der 1990er-Jahre entwickelt. Der Psychologe Martin E. P. Seligman war damals Präsident der American Psychological Association (APA). Er wählte während seiner Amtszeit das Thema „Positive Psychology“ zum Schwerpunkt. Seligman entwickelte auch ein leicht verständliches Ordnungsmodell für das gute Leben im Sinn der Positiven Psychologie: Er nannte es PERMA. Dahinter stehen fünf Säulen:
Positive Gefühle – Momente von Freude, Dankbarkeit, Hoffnung
Engagement – vertieftes Aufgehen in Tätigkeiten
Relationships (Beziehungen) – tragfähige, verlässliche Bindungen
Meaning (Sinn) – Beitrag zu etwas, das größer ist als die eigene Person
Accomplishment (Erfolg) – Ziele setzen und erreichen
Die Idee dahinter ist: Diese fünf Bausteine lassen sich einzeln stärken – und zusammen tragen sie das persönliche „Aufblühen“.
Positive Psychologie und Älterwerden?
Gerade im höheren Lebensalter lohnt sich der Blick auf Stärken, Beziehungen, Sinn und Freude – denn die Wirkung zeigt sich nicht nur im Wohlbefinden, sondern oft auch in objektiven Gesundheitsdaten.
Altern bringt Erfahrungen und Freiheit, manchmal auch Verluste. Positive Psychologie passt hier besonders gut, weil sie an vorhandene Stärken anknüpft. Für ältere Erwachsene sind Beziehungen und Sinn oft wichtiger als Besitz oder Tempo – dafür gibt es einen Begriff. Er lautet „sozioemotionale Selektivität“. Das bedeutet: Wenn die Zukunft begrenzt wirkt, rücken die Qualität von Gefühlen, Nähe und Bedeutung in den Vordergrund. Positive Strategien finden dadurch fruchtbaren Boden.
Zugleich zeigen verschiedene große Studien: Optimismus, Sinn und positive Gefühle stehen mit längerer Lebenszeit und besserer Gesundheit in Verbindung. Menschen mit höherem Optimismus lebten im Schnitt bis zu 15 Prozent länger als andere. Sie erreichten häufiger ein sehr hohes Alter. Auch ein klares Lebensziel senkte in einer Langzeitstudie die Sterblichkeit – unabhängig vom Alter.
PERMA fürs Alter übersetzt
Oft reichen kurze, regelmäßige Impulse, um sich selbst mit den PERMA-Säulen der Positiven Psychologie Gutes zu tun. Entscheidend ist dabei die Routine: Es ist besser, sich täglich fünf Minuten, als nur selten eine Stunde, um das eigene Wohlbefinden zu kümmern. Trotzdem: Sich durch den Anspruch an die eigene „Leistung“ unter Druck zu setzen, sollte im Alter genauso wie in jeder anderen Lebensphase vermieden werden. Wer die Positive Psychologie nutzen will, um zufriedener und glücklicher zu werden, wird wenig mit Verbissenheit erreichen. Wenn an einem Tag nur ein Eintrag ins Dankbarkeits-Tagebuch kommt, ist das genauso in Ordnung, wie wenn sich während der Gartenarbeit der Flow einmal nicht einstellt. Wie die einzelnen Säulen des PERMA-Modells gerade im Hinblick auf ein gutes Leben im Alter gepflegt werden können, sehen Sie an den folgenden Beispielen:
- Positive Gefühle: Pflegen wir sie.
Dankbarkeits-Übungen heben die Stimmung, mindern Stresssymptome und stärken die psychische Gesundheit – auch bei Erwachsenen mittleren und höheren Alters. Auch das bewusste Auskosten schöner Momente oder der Genuss berührender Musik verhilft zu positiven Gefühlen. Viele positive Gefühle lassen sich an den Alltag anpassen – selbst bei gesundheitlichen Einschränkungen. - Engagement: Versinken wir im Tun
Tätigkeiten, die uns vollständig einnehmen – Gartenarbeit, Handwerk, Malen, Geschichten schreiben usw. – alle Tätigkeiten, die mit voller Konzentration ausgeübt werden, können „Flow“-Erlebnisse bewirken. Dabei erreichen wir einen Zustand völliger Konzentration und des totalen Aufgehens in einer Tätigkeit. Dieser Zustand wird durch eine Tätigkeit ausgelöst, die weder über- noch unterfordert, sondern eine ideale Balance zwischen Herausforderung und den eigenen Fähigkeiten bietet. Im Flow vergessen Menschen die Zeit und äußere Störfaktoren. - Relationships: Beziehungen lebendig halten
Enge Kontakte schützen uns vor Einsamkeit – eine der großen Herausforderungen unserer Zeit, unter der gerade ältere Menschen leiden: ein fester Kaffee-Termin, ein wöchentlicher Spaziergang, regelmäßige Telefonate, – all das schafft und pflegt Beziehungen. - Meaning: Lassen wir Sinn entstehen
Sinn entsteht dann, wenn unsere Fähigkeiten oder Qualitäten gebraucht werden: Ältere Menschen finden in den unterschiedlichsten Bereichen Sinn: Sie können im privaten oder organisierten Bereich Kinder betreuen, in der Nachbarschaft unterstützen, in Vereinen aktiv sein, ein Ehrenamt und vieles mehr. - Accomplishment: Erfolge tun gut
Was wir geschafft haben, macht uns glücklich und motiviert uns. Es muss sich nicht um große Erfolge handeln. Die erste Spazierrunde um den Block nach einer Krankheit kann ebenso als Erfolg gewertet werden wie beim Ende eines Buchs, das wir immer schon lesen wollten, anzukommen oder das endlich einmal „genau wie bei der Oma“ gelungene Sonntagsessen. Erfolge erzeugen Schwung, der auch in andere Lebensbereiche ausstrahlt.
Werkzeug für ein gutes Leben
Wer Gefühle pflegt, Engagement erlebt, Beziehungen stärkt, Sinn findet und Ziele erreicht, fördert nicht nur die Stimmung, sondern auch die eigene Gesundheit und oft sogar die Lebenszeit. Positive Psychologie ist einer von vielen Teilbereichen der Psychologie – aber sie kann ein Beispiel für einen „Werkzeugkasten“ für ein gutes Leben sein, der beim Älterwerden besonders gut greift.