Manchmal ist es leichter, für andere da zu sein, als selbst um Unterstützung zu bitten. Viele Menschen tragen Sorgen lieber allein, funktionieren weiter und warten ab. Dabei ist Hilfe annehmen keine Schwäche. Es ist ein Zeichen von Selbstfürsorge, Mut und Stärke.
Wir dürfen Hilfe annehmen, wenn wir sie brauchen

Manchmal ist es leichter, für andere da zu sein, als selbst um Unterstützung zu bitten. Viele Menschen tragen Sorgen lieber allein, funktionieren weiter und warten ab. Dabei ist Hilfe annehmen keine Schwäche. Es ist ein Zeichen von Selbstfürsorge, Mut und Stärke.
Wenn die Seele nicht mehr mitkommt
Es gibt Phasen im Leben, in denen alles zu viel wird. Manchmal ist der Auslöser klar: eine Trennung, ein Verlust, eine Krankheit, beruflicher Druck, finanzielle Sorgen oder Konflikte in der Familie. Manchmal ist es aber auch weniger eindeutig. Die Tage fühlen sich schwer an, der Schlaf wird schlechter, die Gedanken kreisen, die Freude wird leiser. Wir funktionieren - aber innerlich kostet alles mehr Kraft als sonst.
Gerade in solchen Momenten wäre Unterstützung wichtig. Und gerade dann fällt es vielen Menschen besonders schwer, danach zu suchen. Denn wer erschöpft, traurig, überfordert oder ängstlich ist, hat oft nicht die Energie, Angebote zu durchsuchen, Anrufe zu machen oder die richtigen Worte zu finden. Dazu kommt ein Gedanke, der sehr hartnäckig sein kann: „Ich muss das alleine schaffen.“ Dieser Satz klingt nach Stärke. In Wahrheit macht er oft einsam.
Hilfe annehmen ist Selbstfürsorge
Wer Hilfe annimmt, handelt verantwortungsvoll gegenüber der eigenen seelischen Gesundheit - so wie jemand, der bei körperlichen Beschwerden medizinische Hilfe sucht.
Hilfe kann dabei vieles sein. Ein Gespräch mit einer vertrauten Person. Ein Anruf bei einer Beratungsstelle. Ein Termin bei einer psychologischen oder psychosozialen Einrichtung. Eine Selbsthilfegruppe. Eine Therapie. Oder zunächst nur eine Nachricht mit dem Satz: „Mir geht es gerade nicht gut.“ Der erste Schritt muss nicht groß sein. Oft reicht ein kleiner Kontakt nach außen. Denn Belastung verliert manchmal schon etwas von ihrer Wucht, wenn sie nicht mehr nur im eigenen Kopf stattfindet. Und noch etwas ist wichtig: Andere Menschen freuen sich oft, gefragt zu werden. Wer selbst schon einmal jemanden unterstützt hat, weiß, dass Helfen nicht nur Last ist. Es kann Verbindung schaffen. Es kann sinnvoll sein. Es kann gut tun, für jemanden da sein zu dürfen.
Klein anfangen: So kann der erste Schritt aussehen
Wer lange alles mit sich selbst ausgemacht hat, muss nicht plötzlich alles offenlegen. Hilfe annehmen darf klein beginnen.
- Im sicheren Umfeld beginnen: Wir können mit einem Menschen anfangen, bei dem wir uns halbwegs sicher fühlen und beispielsweisesagen: „Ich brauche gerade keine Lösung, aber ich möchte kurz erzählen, wie es mir geht.“ Oder: „Kannst du mir helfen, einen Termin zu vereinbaren?“ Oder: „Kannst du heute mit mir spazieren gehen?“
- Oft hilft schon die erste Beratung: Auch professionelle Hilfe muss nicht gleich bedeuten, dass alles „dramatisch“ ist. Beratungsstellen sind genau dafür da, Situationen gemeinsam einzuordnen. es muss nicht schon eine Diagnose geben. Es reicht, zu merken: So wie es gerade ist, ist es zu schwer allein.
- Notizen ordnen Gedanken: Wer unsicher ist, kann sich vor einem Anruf zwei Sätze notieren. Zum Beispiel: „Ich fühle mich seit einiger Zeit überfordert und weiß nicht, wohin ich mich wenden soll.“ Oder: „Ich brauche ein erstes Gespräch, um zu klären, welche Unterstützung passen könnte.“ Mehr muss am Anfang nicht sein.
Wo Menschen in Wien Hilfe finden
Wien verfügt über ein breites Netz an Anlaufstellen für Menschen in psychisch belastenden Situationen. Viele Angebote sind kostenlos, niedrigschwellig und bei Bedarf anonym. Sie stehen Menschen mit psychischen Diagnosen ebenso offen wie allen, die sich seelisch überfordert fühlen und gerade nicht weiterwissen. Bei akuten psychischen Problemen nennt die Stadt Wien unter anderem den Sozialpsychiatrischen Notdienst und die Telefonseelsorge als 24-Stunden-Hotlines. Auf der Überblicksseite der Stadt Wien zur psychischen Gesundheit finden sich außerdem Einrichtungen, Akutangebote, Selbsthilfegruppen und weitere Hilfsangebote.
Selbsthilfe-Unterstützungsstelle SUS Wien in der Wiener Gesundheitsförderung - WiG
In Wien unterstützen einander zahlreiche Menschen in unterschiedlichen Selbsthilfegruppen. Bei vielen davon geht es um die Bewältigung von Ausnahmesituationen im Leben oder auch von andauernden seelischen Belastungen. Unter dem Motto “Drüber reden hilft!” erhalten Interessierte Hilfe bei der Suche nach Selbsthilfegruppen. Darüber hinaus bietet die SUS Wien Gruppen in Gründung sowie bestehenden Selbsthilfegruppen vielfältige Unterstützung.
Hotline für Essstörungen
Die Hotline für Essstörungen in der Wiener Gesundheitsförderung - WiG, Tel. 0800 20 11 20, ist eine niederschwellige, anonyme und kostenlose Telefon- und E-Mail-Beratungsstelle.
Telefonseelsorge 142
Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr erreichbar - kostenlos und vertraulich unter der Nummer 142. Wer lieber schreibt, kann den Sofortchat nutzen, der täglich von 16:00 bis 23:00 Uhr angeboten wird; auch Mailberatung ist möglich. Das ist besonders hilfreich, wenn Reden schwerfällt oder lieber anonym Hilfe gesucht wird.
Kriseninterventionszentrum Wien
Das Kriseninterventionszentrum unterstützt Menschen in akuten Krisen, bei Überlastung, traumatischen Erfahrungen oder Suizidgedanken. Es ist unter Tel. 01 406 95 95 erreichbar, Montag bis Freitag von 8:00 bis 17:00 Uhr. Erstgespräche können nach telefonischer Vereinbarung oft noch am selben oder innerhalb der nächsten Werktage stattfinden; auch anonyme E-Mail-Beratung wird angeboten.
Psychosoziale Dienste Wien, PSD
Die Psychosozialen Dienste Wien bieten Hilfe bei psychischen Erkrankungen und psychosozialen Belastungen. Der Sozialpsychiatrische Notdienst ist unter Tel. 01 31330 täglich rund um die Uhr erreichbar. Zusätzlich gibt es die Sorgenhotline Wien des PSD unter Tel. 01 4000-53000 als kostenloses psychosoziales Erst-Angebot für Menschen in Wien.
Fonds Soziales Wien, FSW
Der Fonds Soziales Wien ist eine wichtige Beratungs- und Servicestelle, wenn soziale, gesundheitliche oder pflegerische Fragen mit seelischer Belastung zusammenhängen. Das Kund*innentelefon ist täglich von 08:00 bis 20:00 Uhr unter Tel. 01 24 5 24 erreichbar.
Familien, Kinder und Jugendliche
Für Familien, Kinder und Jugendliche bietet die Stadt Wien über die Kinder- und Jugendhilfe Beratung, Vermittlung und Unterstützung bei Sorgen, Konflikten und Krisen. Die Servicestelle ist unter Tel. 01 4000-8011 erreichbar, Montag bis Freitag von 08:00 bis 15:30 Uhr. Beratung kann auf Wunsch auch anonym erfolgen.