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Soziale Netze stärken

Umzug, Trennung, Pension oder wenn die Kinder ausziehen: Soziale Netze verändern sich im Lauf des Lebens. Warum Beziehungen wichtig für die seelische Gesundheit sind, und wie sich Kontakte in Wien gezielt pflegen, erneuern und neu aufbauen lassen, zeigt dieser Beitrag.

Soziale Netze sind ein wichtiger Schutzfaktor für die seelische Gesundheit. Freundschaften, Familie, Nachbarschaft oder auch lose Bekanntschaften können uns das Gefühl geben, verbunden zu sein, verstanden zu werden. Das Erleben von Zugehörigkeit stärkt das Wohlbefinden und können gerade in belastenden Lebensphasen Halt geben. 

Beziehungen verändern sich

Soziale Netze sind immer in Bewegung. Manche Menschen begleiten uns nur in bestimmten Lebensphasen, andere bleiben über Jahre wichtig. Veränderungen bedeuten nicht automatisch Verlust, sondern oft auch Übergang. Trotzdem können solche Zeiten schmerzhaft sein: Plötzlich fehlen spontane Gespräche, gemeinsame Routinen oder das Gefühl, dazuzugehören. Gerade dann, wenn soziale Kontakte nicht automatisch vorhanden sind, lohnt es sich, diese als Teil der Selbstfürsorge, über die wir auch in unserem Magazin „Gesunde Stadt“ berichten, ernst zu nehmen und sie bewusst zu pflegen. Viele Menschen warten in solchen Situationen darauf, dass sich „etwas ergibt“. Manchmal passiert das auch. Häufig braucht es aber auch ein wenig Eigeninitiative.

Kleine Schritte wirken

Wer sein soziales Netz stärken möchte, sollte klein und konkret beginnen. Drei Fragen können dabei Orientierung geben.

  • Wen vermisse ich? Vielleicht gibt es jemanden, bei dem Sie schon lange an ein Wiedersehen denken. Alte Kontakte zu aktivieren, ist oft leichter, als ganz neue zu knüpfen. Manchmal kostet das trotzdem Überwindung, weil der letzte Kontakt lange her ist. Oft hilft ein Bezug zu einem gemeinsamen Thema als Aufhänger, zum Beispiel: „Du bist mit eingefallen. weil du doch Blumen so gerne hast und es gerade so schön blüht: Wollen wir zusammen spazieren gehen und ein bisschen plaudern?“
  • Wo können sich regelmäßige Begegnungen ergeben? Soziale Nähe entsteht selten nur durch einen einzelnen netten Tag oder Abend. Sie wächst eher dort, wo Menschen einander wiederholt begegnen: in Kursen, Vereinen, Gruppen, beim Ehrenamt oder im Grätzel.
  • Was interessiert mich wirklich? Gemeinsame Interessen können ein guter Start beim Aufbau von Beziehungen sein. Wer etwas tut, das ihm oder ihr Freude macht, kommt leichter ins Gespräch - und teilt durch das gemeinsame Interesse bereits ein Thema, ohne nach einer ersten Gemeinsamkeit suchen zu müssen.

Einfach andere einladen!

Viele Menschen haben Hemmungen, andere aktiv einzuladen. Dabei geht es gar nicht darum, Gastgeber*in für ein großes Treffen zu sein. Eine Einladung kann ganz einfach sein: ein Spaziergang, ein Frühstück, ein gemeinsamer Marktbesuch oder ein Anruf. Wichtig ist das Signal: Ich möchte in Verbindung bleiben. Hilfreich ist dabei übrigens, Einladungen gleich konkret zu machen. Statt: „Wir sollten einander wieder einmal sehen!“ wirkt „Hast du nächste Woche Mittwoch Zeit für ein Treffen?“ oft viel besser. Wer mag, kann auch mit kleinen Ritualen beginnen: einmal im Monat gemeinsam essen, sonntags telefonieren oder nach einem Kurs noch zusammen auf einen Tee gehen. 

Kontakte entstehen dort, wo man wiederkommt

Gerade nach Umbrüchen tut es gut, Orte zu haben, an denen man ganz ungezwungen willkommen ist. Je einfacher dabei der Rahmen ist, desto besser. Die Wiener Volkshochschulen bieten dafür viele Möglichkeiten, weil Lernen, Austausch und gemeinsame Interessen zusammenkommen. „Plaudern in der Bücherei“, das die Wiener Gesundheitsförderung – WiG in mehreren Städtischen Büchereien organisiert, ist ebenfalls eine Plattform für das ungezwungene Knüpfen von sozialen Kontakten. Viele Angebote für die unterschiedlichsten Interessen – von Ernährung über Bewegung bis hin zur Seelischen Gesundheit – bietet das WiG-Angebot „Gesundheit erleben – einfach mitmachen!“ Auch beim gemeinsamen Walken im Rahmen des WiG-Projekts „Bewegte Apotheke“ ist es leicht, ins Gespräch zu kommen.

Veränderungen im Alter

Nach der Pensionierung, oder wenn der Alltag altersbedingt ruhiger wird, gewinnt soziale Einbindung an Bedeutung. Die Wiener Pensionist*innenklubs bieten zahlreiche Möglichkeiten für Bewegung, Kultur, Gespräche und gemeinsame Aktivitäten, die speziell auf die Bedürfnisse und Vorlieben älterer Menschen zugeschnitten sind. Wer gerne unterwegs ist, findet dort auch Angebote für Ausflüge und Exkursionen. Solche Formate sind ideal, wenn man gerne unter Menschen ist, ohne selbst etwas organisieren zu müssen. Eine schöne, und auch sehr sinnstiftende Möglichkeit, soziale Netze zu stärken, ist das Ehrenamt. Junge Menschen sind bei Rettungsdiensten heiß begehrt, ältere werden immer wieder für Lernunterstützung gesucht. In Sozialmärkten sind helfende Hände jedes Alters gern gesehen. Wer anderen etwas gibt, erlebt oft auch selbst mehr Zugehörigkeit. All das trägt auch dazu bei, sich sozial gut zu vernetzen und ein zufriedenes Leben zu führen.

Fünf Tipps für starke soziale Netze

1. Herausfinden, was das eigene Grätzel bietet. Beginnen Sie mit einem Kontakt in der Nachbarschaft, einem Termin oder einer Gruppe in Ihrer Nähe. Überschaubarkeit hilft gegen Überforderung und macht das Pflegen von Kontakten einfacher.

2. Regelmäßigkeit vor Intensität. Ein wöchentlicher Kurs oder ein monatliches Treffen bringt oft mehr als seltene große Vorhaben.

3. Eigene Interessen vor krampfhafter Suche. Besser als mit großem Einsatz nach neuen Freundschaften zu suchen, ist es Orte zu finden, an denen Sie gerne sind oder Aktivitäten, die Sie reizen. Das eigene Grätzel ist dafür oft bestens geeignet. Es findet sich beispielsweise ein nettes Café oder ein gemütlicher Park. Auch Vereine helfen einerseits, eigene Interessen zu verfolgen und andererseits, Gleichgesinnte zu treffen. Dann hat die investierte Zeit auf jeden Fall einen Mehrwert für Sie. Beziehungen entstehen dabei oft nebenbei.

4. Alte Kontakte nicht unterschätzen. Manchmal ist die Verbindung nur eingeschlafen. Einander lange nicht gehört zu haben, macht einen Neustart peinlich oder unmöglich wäre. Schließlich hat die andere Person sich ja auch lange nicht gemeldet.

5. Sich selbst Zeit geben. Vertrauen wächst langsam. Schon ein freundlicher Plausch, ein bekanntes Gesicht oder das Gefühl, irgendwo willkommen zu sein, ist ein Anfang, auch wenn nicht gleich eine intensive Freundschaft daraus erwächst.