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Kleine Glücksmomente geben Kraft

Positive Erlebnisse stecken häufig in kleinen Momenten im Alltag – sie fallen dadurch oft nicht auf. Wer lernt, Freude, Dankbarkeit und Genuss bewusster wahrzunehmen und auszukosten, schöpft Kraft für Lebenszufriedenheit und die Seelische Gesundheit.

Ein warmer Sonnenstrahl auf der Haut, das Lachen einer vertrauten Person, der erste Schluck Kaffee am Morgen – solche Momente sind flüchtig. Und genau deshalb wird die positive Emotion, die mit ihnen einhergeht, oft nicht wirklich wahrgenommen Das passiert nicht aus mangelnder Achtsamkeit, sondern weil es tief in uns verankert ist.  Das menschliche Gehirn möchte Gefahren schnell erkennen und Risiken bewerten. Das hat den Menschen schon immer geholfen sich zu schützen. Es war eben sicherer, eine Situation falsch als Gefahr zu sehen, als zu leichtsinnig zu sein. In der Psychologie wird dieses Prinzip als „Negativity Bias" bezeichnet:  Das Gehirn achtet stärker auf negative oder unangenehme Informationen als auf positive. Unter Stress verstärkt sich dieser Effekt erheblich.

Wie stark dieser Mechanismus wirkt, zeigt eine amerikanische Studie aus dem Jahr 2017.  Dabei wurden die Augenbewegungen von 165 Personen unter akutem Stress gemessen. Das Ergebnis war eindeutig: Wenn Menschen gestresst sind, bemerken sie Negatives zuerst. Je höher die Sorgenbelastung war, desto deutlicher zeigte sich dieser Effekt. 

Positive Erlebnisse als Energiequelle

Kleine positive Momente sind keine Nebensache – sie sind wichtig für die seelische Widerstandskraft. Die amerikanische Psychologie-Professorin Barbara Fredrickson nennt das die „Broaden-and-Build“-Theorie: Positive Emotionen wie Freude, Neugier oder Zufriedenheit erweitern, wie Menschen denken und handeln. Auf lange Sicht bauen Menschen so psychische Kräfte auf. Eine Folgestudie amerikanischer Forscherinnen des Boston College und der University of Michigan belegte, dass resiliente, das heißt psychisch besonders belastbare und stabile, Personen positive Emotionen bewusst hervorrufen können. So erholen sie sich nach Stress schneller. 

Gute Momente auskosten

Dass sich die Fähigkeit, positive Erlebnisse bewusst wahrzunehmen, gezielt trainieren lässt, ist ein zentrales Ergebnis der Forschungen der „Positiven Psychologie“ – einem Forschungsfeld, das sich seit den 1990er-Jahren damit beschäftigt, was Menschen vor psychischen Erkrankungen schützt und wie sie belastbarer werden. Stärken, Optimismus, Dankbarkeit und das bewusste Erleben positiver Momente stehen dabei im Mittelpunkt. Tipps dafür finden sich beispielsweise im Folder Folder „Mit positiven Gedanken leichter durchs Leben" der ÖGK.

Gefühle bewusst verstärken 

Eines der zentralen Konzepte darin ist das sogenannte „Savoring" – auf Deutsch bedeutet das etwa Auskosten, Genießen und Verweilen. Gemeint ist damit die Fähigkeit, einen schönen Moment nicht einfach passieren zu lassen, sondern ihn aktiv wahrzunehmen, zu verstärken und innerlich festzuhalten. Dazu gehört auch, sich in Dankbarkeit zu üben. Dankbarkeit hilft bei „positiver Neubewertung“. Das heißt, dass Menschen sich in schwierigen Situationen nicht ausgeliefert fühlen. Das reduziert Stress und erhöht die subjektive Kontrolle über das eigene Erleben. 

Glück genießen lernen

Dass gezielte Savoring-Übungen wirken, wurde auch bereits wissenschaftlich nachgewiesen. Eine neue Metaanalyse zu dem Thema, also der Vergleich der Ergebnisse unterschiedlicher Studien zum Thema erschien 2026 im Fachjournal Applied Psychology: Health and Well-Being: Dabei wurden 20 Studien mit 4.805 Teilnehmer*innen ausgewertet. Das Ergebnis zeigte sehr klar: Savoring zu üben, erhöht nachweislich positive Emotionen. Gleichzeitig reduzieren diese Übungen negative Gefühle wie Angst. 

Es zahlt sich also aus, den Genuss kleiner Glücksmomente zu zelebrieren und sich daran zu erinnern. Dabei helfen einfache Übungen:

  • Drei gute Dinge notieren: Wer abends in ein paar Zeilen aufschreibt, was am Tag gut war, macht sich positive Dinge bewusst und kann sie nochmal in Gedanken erleben. So kann gelernt werden, ähnliche Situationen zu erkennen und zu genießen. 
  • Momente bewusst verlängern: Wenn ein schöner Moment entsteht, lohnt es sich, kurz bewusst innezuhalten sich selbst zu sagen oder zu denken: „Das ist gerade schön.“ Das verlängert nicht nur das gute Gefühl, sondern verankert positive Erfahrungen auch tiefer im Gedächtnis.
  • Genuss ohne Ablenkung: Ob Essen, Musik oder ein Spaziergang - Genuss entfaltet sich vor allem dann, wenn er bewusst erlebt wird. Wer Ablenkungen ausklammert, holt deutlich mehr aus guten Momenten heraus.
  • Positive Erinnerungen aufrufen: Auch das bewusste Erinnern an vergangene schöne Erfahrungen trägt nachweislich zum Wohlbefinden bei.


Dabei sind gerade Kleinigkeiten wichtig, weil sie so vor dem Vergessen bewahrt werden und die guten Gefühle, mit denen sie verbunden sind, wieder erinnert und neu erlebt werden. Wer lernt, kleine positive Erlebnisse bewusst zu genießen, wird feststellen, wie viele davon es sogar an einem „ganz normalen“ Tag gibt. Das Glück ist oft im Kleinen zu finden. Positive Momente können als Kraftquelle genutzt werden.