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Warum Kochen der Seele gut tut

Entspanntes Kochen hebt nachweislich die Stimmung, baut Stress ab und stärkt das Selbstwertgefühl. Fünf Gründe, warum die Küche einer der besten Orte für die Förderung der Seelischen Gesundheit ist.

Viele Menschen erleben Kochen als extrem befriedigend und gut für ihre Stimmung. Das ist kein Zufall.

In den vergangenen Jahren hat die Wissenschaft begonnen, diesem Phänomen systematisch nachzugehen. Therapeut*innen setzen Kochen gezielt als Methode ein, Psycholog*innen untersuchen den Zusammenhang zwischen dem Hantieren mit Töpfen und dem seelischen Wohlbefinden – die Ergebnisse, untersucht beispielsweise in einer aktuellen Studie  aus Hongkong, sind bemerkenswert eindeutig: Kochen in entspannter Atmosphäre senkt Stress, stärkt das Selbstvertrauen, schafft Verbindung zu anderen Menschen und gibt dem Alltag Struktur und Sinn. Wer versteht, warum das so ist, kann diese einfache, alltägliche Tätigkeit ganz bewusst als Teil der eigenen Selbstfürsorge nutzen. Fünf Faktoren erklären, was beim Kochen in uns vorgeht – und warum die Küche manchmal der beste Ort ist, um zu sich selbst zu finden.

1. Kochen ist wie Meditation

Das Schneiden von Gemüse, das langsame Einrühren einer Sauce, das Abschmecken mit einem kleinen Löffel – all das verlangt unsere volle Aufmerksamkeit. Und genau das ist der Schlüssel: Beim Kochen konzentrieren wir uns ganz auf das Hier und Jetzt. Die Sinne werden rundum angesprochen – Gerüche, Geräusche, Farben, Texturen. Dadurch dreht sich das Gedankenkarussell des Alltags langsamer. Damit ist Kochen ein günstiger und angenehmer Weg, den Stressabbau im Alltag zu unterstützen. Dieser Zustand voller Präsenz hat viel mit Achtsamkeitsübungen gemeinsam und fühlt sich für viele Menschen auch entspannend wie eine Meditation an. 

2. Selbstwert durch Erfolgserlebnisse

Ein Gericht planen, die Zutaten besorgen, den Prozess im Blick behalten und am Ende etwas auf den Tisch stellen, das schmeckt – das ist ein vollständiger Handlungsbogen mit einem konkreten Ergebnis. Und genau das ist wertvoll für unsere Seelische Gesundheit. Wer kocht, erlebt Selbstwirksamkeit durch das Gefühl, etwas zu können, etwas zu schaffen und etwas aus eigener Kraft herzustellen. Ein Bericht, veröffentlicht u. a. im US-amerikanischen Journal Health Education & Behavior – einer Fachzeitschrift der Society for Public Health Education (SOPHE) für Gesundheitsförderung und Gesundheitsverhalten über die oben erwähnte Studie aus Hongkong – hat Studien zu Kochen im Rahmen von Therapien ausgewertet und festgestellt, dass Kochen das Selbstwertgefühl messbar steigern kann. Besonders an Tagen, an denen sonst wenig gelingt oder vieles außer Kontrolle geraten scheint, kann die Küche einen überschaubaren Rahmen bieten. Das fertige Gericht ist nicht nur Nahrung – es ist ein greifbares Zeichen dafür, etwas zu schaffen. Dieses kleine Erfolgserlebnis wirkt sich direkt auf Stimmung und Selbstbild aus.

3. Verbindung zu anderen

Wer nicht nur für sich selbst, sondern für andere kocht, tut der Seelischen Gesundheit gleich doppelt etwas Gutes. Die Studie aus Hongkong mit über 1.500 Teilnehmer*innen zeigt, dass sogenanntes „prosoziales Kochen“ – also das Zubereiten von Essen für andere – zu mehr positivem Erleben, höherem Selbstwertgefühl und mehr Vitalität führt. Das Wissen, dass anderen Freude bereitet wird, löst Wohlbefinden beim Kochenden aus.

Dazu kommt die Wirkung des gemeinsamen Essens: Das Zusammensitzen, Reden und Genießen stärkt soziale Netze, die einer der wichtigsten Schutzfaktoren für die psychische Gesundheit überhaupt sind. Ein selbst gekochtes Mahl, das geteilt wird, ist immer auch ein Akt der Fürsorge und der Zugehörigkeit. Dieses Signal wirkt in beide Richtungen – auf die Person, die isst, und auf jene, die gekocht hat. 

4. Kreativität im Topf

Kochen ist ein kreativer Akt. Ein neues Rezept interpretieren, Zutaten nach Saison und Geschmack kombinieren, ein Gericht ansprechend anrichten – all das aktiviert Gehirnbereiche, die mit Freude, Neugier und Problemlösung verbunden sind. Kreative Tätigkeiten gelten in der Psychologie als bedeutender Faktor für Wohlbefinden, weil sie Engagement erzeugen und das Erleben von Sinnhaftigkeit fördern. Mit der Zeit baut das eine positive Beziehung zur eigenen Kreativität auf – und das Vertrauen, dass man auf Unbekanntes eingehen und damit umgehen kann. Dieses Vertrauen überträgt sich auf andere Lebensbereiche.

Kreatives Kochen tut auch dem Gehirn gut. Eine 2025 in „Nature Communications“ veröffentlichte Studie zeigte, dass kreative Erfahrungen mit einem messbaren Schutz vor Hirnalterung verbunden sind: Das Gehirn kreativer Menschen altert langsamer. Zudem aktiviert das Hantieren mit Zutaten, Gerüchen und Texturen beim Kochen auch motorische und sensorische Bahnen, die mit dem Belohnungssystem in Verbindung stehen – das Gehirn wird buchstäblich mit Freude belohnt. 

5. Struktur tut gut

In Phasen von Stress, Einsamkeit oder innerer Unruhe verlieren viele Menschen das Gefühl für einen stabilen Tagesrhythmus. Mahlzeiten zubereiten – regelmäßig, bewusst, mit etwas Sorgfalt – kann hier eine unscheinbare, aber wirksame Gegenmaßnahme sein. Das Planen eines Gerichts, der Gang zum Markt oder Supermarkt, das Kochen selbst: All das gibt dem Tag Struktur, setzt Anfangs- und Endpunkte und schafft kleine Rituale, die Halt geben.

In der Verhaltenspsychologie ist bekannt, dass Rituale – also wiederkehrende, bedeutungsvolle Handlungen – das Sicherheitsgefühl stärken und Ängste reduzieren können. Das tägliche Kochen kann ein solches Ritual sein. Hinzu kommt, dass regelmäßiges Selbstkochen häufig mit einer besseren Ernährungsqualität verbunden ist – und über die Darm-Hirn-Achse auch direkte Auswirkungen auf Stimmung und Energie hat. Was auf den Teller kommt, beeinflusst, wie wir uns fühlen.

Kraftquelle und Ausgleich

Kochen ist damit eine relativ einfach zugängliche Form der Selbstfürsorge. Es braucht dafür nicht viel Ausrüstung, keine App und keine teure Mitgliedschaft. Wer beginnt, das Kochen als bewusste Pause im Alltag zu verstehen, kann aus etwas ganz Gewöhnlichem eine echte Quelle für Kraft und Ausgleich machen. Kein Rezept muss perfekt gelingen, kein Gericht aufwendig sein – es geht auch um den Prozess, nicht nur um das Ergebnis.

Gemeinsam kochen in Wien

Wer das Kochen lieber in Gemeinschaft erleben möchte, findet in Wien die eine oder andere schöne Anlaufstelle – manche kostenlos oder sehr preiswert:

Pop-up-Küche der Wiener Gesundheitsförderung - WiG:
Im Rahmen des Projekts „Gesundheit erleben – einfach mitmachen!“ tourt eine mobile Pop-up-Küche durch verschiedene Wiener Bezirke. Alle Interessierten können dabei kostenlos Mitkochen, Verkosten und Rezepte mitnehmen – es ist keine Anmeldung nötig. 

VHS Wien – Kochkurse:
Die Wiener Volkshochschulen bieten über 150 Kochkurse pro Saison an allen Standorten in Wien an – von der mediterranen bis zur veganen Küche. Einige Kurse werden durch den Bildungsgutschein der AK Wien gefördert. Dieser kann unter Tel. 0800 311 311 angefordert werden. Nötig ist nur die AK-Mitgliedsnummer, die z. B. im Adressfeld der an alle Mitglieder versendeten Zeitung „AK für Sie“ zu finden ist.