Freundliche Gesten ohne bestimmten Zweck, sogenannte „Acts of Kindness“, bergen eine erstaunliche Kraft. Sie tun nicht nur anderen gut, sie stärken auch unser eigenes seelisches und körperliches Wohlbefinden.
Kleine Gesten mit großer Wirkung

Stellen Sie sich vor, Sie sind mit mehreren Einkaufstaschen unterwegs und jemand hält Ihnen einfach so die Tür auf, lächelt Sie freundlich an oder überlässt Ihnen seinen Sitzplatz in der Straßenbahn. Kleine Gesten – und sie verschönern oft den ganzen Tag. Nicht nur für die Person, die die Freundlichkeit bekommt, sondern auch für diejenige, die sie schenkt. Genau das bewirken sogenannte „Acts of Kindness“ – bewusste, freundliche Handlungen, die keinen Anlass brauchen und auch keine Gegenleistung erwarten.
Acts of Kindess halten gesund
Nette Gesten bremsen den Alltag für einen Moment aus. Sie wirken wie kleine Stopptasten, holen uns ins Hier und Jetzt und schaffen Augenblicke der Verbundenheit. Gleichzeitig stärken sie unser Selbstwertgefühl. Denn wer anderen zeigt „Ich sehe dich“, spürt die Wirkung des eigenen Tuns unmittelbar.
Freundlich zu sein und seinen Mitmenschen etwas Gutes zu tun, fühlt sich nicht nur gut an, sondern wirkt auch wie ein kleines Gesundheitsprogramm. In unserem Gehirn wird das sogenannte „Belohnungszentrum“ aktiviert – Glückshormone wie Oxytocin, Serotonin und Dopamin werden ausgeschüttet. Diese verstärken angenehme Gefühle – Wissenschafter*innen sprechen von „Warm Glow“ oder „Helper´s High“. Gleichzeitig sinkt der Blutdruck, wir fühlen uns weniger gestresst. Die Entzündungsneigung des Körpers geht zurück, unser Immunsystem wird gestärkt.
Menschen, die öfters kleine Freundlichkeiten setzen, leiden nachweislich seltener an Depressionen und Angststörungen, sie erleben intensivere positive Emotionen und finden leichter Sinn im Leben. Studien zeigen: Schon fünf kleine freundliche Gesten pro Woche können das Wohlbefinden messbar steigern. Und wie wir in der Folge beschreiben, lassen sie sich in allen Lebensbereichen verwirklichen.
Acts of Kindness für Partnerschaften und Freundschaften
Was wären wir ohne unsere Familie und gute Freund*innen. Doch Partnerschaften und Freundschaften wollen gepflegt werden. Kleine Aufmerksamkeiten helfen dabei. Ein „Hab einen schönen Tag“ auf einem Post-it am Frühstückstisch oder ein spontanes „Danke, dass es dich gibt“ zeigen, dass wir einen lieben Menschen wahrnehmen und wertschätzen. Warum nicht einmal Blumen an eine Freundin oder einen Freund schicken, als Dankeschön dafür, dass sie jederzeit ein offenes Ohr haben? Vielleicht haben Sie sich auch schon länger nicht bei alten Freund*innen gemeldet. Dann ist jetzt der Zeitpunkt, Kontakt aufzunehmen.
Machen Sie Ihrer Partnerin oder ihrem Partner wieder mal ein ehrlich gemeintes Kompliment. Überraschen Sie Ihre Liebsten mit einer Liste an Eigenschaften, die Sie an ihr besonders mögen und schätzen. Nach einem anstrengenden Arbeitstag tut es auch gut, wenn jemand da ist, der einfach nur zuhört, oder wenn das Lieblingsessen auf dem Tisch steht.
Auch eine gute Nachbarschaft ist keine Selbstverständlichkeit. Eine Karte mit ein paar handgeschriebenen Zeilen oder eine kleine Aufmerksamkeit für die Nachbar*innen, die regelmäßig Ihre Pakete annehmen, sagt: „Ich sehe, was du für mich tust – und bin dankbar dafür.“ Bieten Sie älteren Nachbar*innen an, ein paar Einkäufe zu erledigen oder bei Sturm und Schnee mit ihrem Hund Gassi zu gehen. Und fragen Sie die junge Familie nebenan, ob sie hin und wieder Unterstützung brauchen kann, zum Beispiel durch kostenloses Babysitten.
Acts of Kindness für ein gutes Arbeitsklima
Im Arbeitsalltag schaffen kleine Zeichen der Wertschätzung eine Atmosphäre von Vertrauen und Miteinander: eine Tasse Kaffee aus der Küche mitbringen, dem Team einen Jour fixe mit einem selbstgebackenen Kuchen versüßen oder zum Valentinstag eine Praline auf jeden Schreibtisch legen.
Bieten Sie Kolleg*innen Ihre Unterstützung an, auch wenn es nicht direkt zu Ihrem Aufgabenbereich gehört. Vielleicht können Sie ja auch einen hilfreichen Kontakt weitergeben oder neuen Mitarbeiter*innen bei einem gemeinsamen Mittagessen den Einstieg erleichtern.
Halten Sie am Ende des Arbeitstages kurz inne. Wer aus dem Team hat Ihnen heute besonders geholfen? Hat jemand einen Erfolg gefeiert? Steht eine Kollegin besonders unter Druck oder ist ein Kollege wegen eines wichtigen Meetings am nächsten Tag angespannt? Schicken Sie ihnen vor dem Nachhausegehen doch noch eine kurze E-Mail – ein Dankeschön, ein anerkennendes Wort oder eine Ermutigung.
Acts of Kindness für Fremde
Möglichkeiten und Anlässe für Acts of Kindness gibt es viele. Oft ergeben sie sich ganz spontan – ohne Planung, ohne großen Aufwand. Wie wäre es mit einer kleinen Freundlichkeit gegenüber jemanden völlig Fremden? Sie warten zum Beispiel auf den Bus, und es beginnt zu regnen. Sie haben einen Schirm dabei? Dann teilen Sie ihn doch mit anderen Wartenden. Sitzt Ihnen im Bus jemand gegenüber, der traurig wirkt, schenken Sie ihm ein Lächeln. Bieten Sie einer älteren Person Ihre Unterstützung an, die mit einem schweren Koffer vor einem defekten Aufzug steht. Oder Sie stehen beispielsweise in der Bäckerei in der Schlange und jemand vor Ihnen kramt verzweifelt nach Kleingeld – bevor Ungeduld und Hektik aufkommt, geben Sie ein paar Cent dazu.
Eine kleine freudige Überraschung kann auch ein kleines Geschenk sein. Zum Beispiel ein gültiges Öffi-Ticket, das Sie im Automaten für die nächste Person liegen lassen. Niemand weiß, wer diesen Gruß hinterlassen hat – und doch schenkt diese kleine Geste jemandem einen unerwartet freudigen Moment.
Acts of Kindness der ganz besonderen Art sind solche, die der Gesellschaft unverzichtbare gesundheitsbezogene Werte zur Verfügung stellen. Blutspenden zum Beispiel: Sie investieren ein wenig Zeit – und gehen mit dem guten Gefühl nach Hause, vielleicht einem anderen Menschen damit das Leben zu retten. Auch den Erste-Hilfe-Kurs aufzufrischen, ist ein wertvoller Dienst an der Gemeinschaft.
Acts of Kindness für die Umwelt
Wer mit kleinen Taten die Umwelt schützt, schafft eine lebenswerte Umgebung – und tut letztliche auch damit anderen Gutes. Müll aufheben beim Spaziergang, eine Spende an eine Naturschutzorganisation, sich einer Umweltgruppe anschließen. Es sind kleine Gesten, die nicht nur das Gefühl geben, etwas Gutes zu bewirken. Sondern auch tatsächlich helfen.
Warum nicht gleich damit beginnen?
Acts of Kindness sind wie winzige Samen. Man weiß nie, wo sie aufgehen – aber sicher ist: Sie machen die Welt ein bisschen heller und freundlicher – und tun uns allen gut. Das Schöne daran: Wir können jederzeit damit beginnen – mit einem Lächeln, einem freundlichen Satz, einer helfenden Hand, einer kleinen Spende oder ein paar Minuten echter Aufmerksamkeit.
Am 17. Februar wird übrigens jedes Jahr weltweit der „Random Acts of Kindness Day“ gefeiert. Warum aber bis dahin warten? Vielleicht ist schon heute der richtige Tag, jemandem mit einer zufälligen Nettigkeit ein Lächeln zu schenken – und sich selbst einen Moment des Glücks.