Manche Mythen zu Fitness und richtiger Bewegung halten sich seit Jahrzehnten hartnäckig. Manche von ihnen haben durchaus ihre Berechtigung. Andere lassen sich durch nichts belegen. Ein Faktencheck.
10 Bewegungsmythen im Faktencheck

Mythos 1: Dehnen vor dem Training kann Verletzungen verhindern
Faktencheck: Statisches Dehnen bringt wenig. Gut geeignet sind hingegen Mobilisationsübungen und dynamische Dehnungen wie Armkreisen oder Ausfallschritte – diese stabilisieren die Gelenke und können das Verletzungsrisiko reduzieren. Nach dem Training - oder an nur dafür und nicht für andere Bewegung vorgesehenen Tagen - darf das statische Dehnen zum Einsatz kommen.
Fazit: Die Behauptung ist richtig.
Mythos 2: Mit Diabetes darf man keinen Sport betreiben
Faktencheck: Unabhängig davon, ob es sich um Diabetes Typ 1 oder Typ 2 handelt, ist sportliche Aktivität grundsätzlich möglich und empfohlen – vorausgesetzt, das Training ist individuell angepasst. Diabetes und anstrengender Sport schließen einander also nicht aus! Bestes Beispiel dafür sind zahlreiche Weltklasse-Athlet*innen wie Tennisspieler Alexander Zverev oder der Olympiasieger im Gewichtheben Matthias Steiner. Voraussetzungen für ein sicheres Training sind ein individuell abgestimmtes Diabetesmanagement und regelmäßige Kontrollen. Die Österreichische Diabetesgesellschaft empfiehlt Bewegung sogar als wichtigen therapeutischen Ansatz.
Fazit: Die Behauptung ist falsch.
Mythos 3: Krafttraining macht beweglich
Faktencheck: Das Bild der unbeweglichen Kraftsportler*innen stammt aus einer Zeit, in der oftmals nur sehr einseitig trainiert wurde. Wenn allerdings mit dem vollen Bewegungsausmaß (gebräuchlich ist dafür der englische Begriff „Range of Motion“) und der richtigen Technik gearbeitet wird, kann das Krafttraining die Beweglichkeit verbessern. Übungen wie Ausfallschritte oder Überkopfbewegungen stärken Muskeln und Mobilität gleichzeitig.
Fazit: Die Behauptung ist richtig.
Mythos 4: Je mehr Training, desto besser
Faktencheck: „Viel hilft viel“ ist nicht unbedingt richtig. Das Training ist nur dann effektiv, wenn genügend Zeit für die Regeneration eingeplant ist. Der Körper braucht Pausen, um die Trainingsreize zu verarbeiten und somit gestärkter in die nächste Einheit zu gehen. Übermäßige Bewegung ohne ausreichende Erholung kann zu Erschöpfung, Leistungsabfall und sogar Verletzungen führen. Optimal ist ein Mix aus Belastung, Erholung und Abwechslung in den Bewegungsarten. Wieviel wir uns mindestens bewegen sollten, um uns gesund zu halten, definieren die Österreichischen Bewegungsempfehlungen.
Fazit: Die Behauptung ist falsch.
Mythos 5: Bewegung ist gut für die Gelenke
Faktencheck: Regelmäßiges Training stärkt nicht nur die Muskulatur, sondern auch die Gelenke können von kontrollierter Belastung profitieren. Mehr dazu finden Sie auch in unserem Blogbeitrag zum Thema: Wie kann ich mit Bewegung meine Gelenke stärken? Wie so oft gilt: Die Technik ist entscheidend! Wer sorgfältig trainiert, die Belastung langsam steigert und auf den eigenen Körper hört, kann das Risiko für Gelenkprobleme verringern. Schädlich hingegen wirken ruckartige Bewegungen, Überbelastungen oder dauerhaft falsch ausgeführte Bewegungsmuster.
Fazit: Die Behauptung ist richtig.
Mythos 6: Muskelkater ist ein Zeichen für ein gutes Training
Faktencheck: Wer nach einem intensiven Training am nächsten Morgen ohne Muskelkater aufwacht, muss nicht enttäuscht sein, denn das bedeutet nicht, dass die Trainingseinheit nicht effektiv war. Muskelkater zeigt lediglich, dass der Körper einen starken neuen Reiz erhalten hat, weil zum Beispiel eine Muskelgruppe beansprucht wurde, die sonst nicht trainiert wird. Wer regelmäßig und vor allem auch muskelübergreifend trainiert, hat oft seltener Muskelkater als andere.
Fazit: Die Behauptung ist falsch.
Mythos 7: In höherem Alter besser nicht mehr mit Bewegung beginnen
Faktencheck: Für Bewegung/Sport ist es nie zu spät! Gerade ältere Menschen können enorm von körperlicher Aktivität profitieren. Krafttraining beugt Muskelabbau vor, verbessert das Gleichgewicht sowie die Koordination und reduziert somit das Sturzrisiko. Und auch Herz-Kreislauf-Training hat positive Auswirkungen auf den Gesundheitszustand. Natürlich alles im Rahmen der körpereigenen Belastbarkeiten und bei Bedarf immer in Absprache mit Expert*innen. Die Pensionst*innenklubs Wien bieten zahlreiche Kurse für Senior*innen an. Von Tanzen über Yoga bis hin zu Tischtennis ist alles dabei.
Fazit: Die Behauptung ist falsch.
Mythos 8: Wer Seitenstechen bekommt, atmet falsch
Faktencheck: Seitenstechen entsteht zwar auch, aber nicht nur, durch eine „falsche“ Atmung. Eine schnelle Steigerung des Tempos, eine gekrümmte Körperhaltung oder eine Mahlzeit kurz vor dem Sport können ebenfalls Auslöser sein. Eine tiefe und ruhige Atmung kann allerdings durchaus dabei helfen, das fiese Stechen zu vermeiden.
Fazit: Die Behauptung ist teilweise richtig.
Mythos 9: Bauchmuskeltraining hilft gegen Bauchfett
Faktencheck: Ganz so einfach funktioniert der Körper (leider) nicht – lokales Training führt nicht automatisch zu lokalem Fettabbau. Bauchmuskeltraining ist dennoch sehr sinnvoll, da es den Rumpf stärkt und somit auch die Körperhaltung verbessert. Wer Bauchfett reduzieren möchte, fährt am besten mit einer Mischung aus gesunder Ernährung, Ganzkörpertraining und regelmäßigem Ausdauer- oder Intervalltraining.
Fazit: Die Behauptung ist falsch.
Mythos 10: Es ist egal, wann trainiert wird
Faktencheck: Die Antwort auf diese Frage ist: Jein. Grundsätzlich ist jede Bewegung beziehungsweise sportliche Betätigung besser als keine – egal wann. Bei manchen Menschen hat der eigene Biorhythmus allerdings größere Auswirkungen als bei anderen (zum Beispiel schlechter Schlaf bei zu spätem Training). Wer auf die eigenen Körpersignale achtet, findet nach und nach die perfekte Trainingszeit, die für den jeweiligen Menschen individuell passt.
Fazit: Die Behauptung ist teilweise richtig.