Soziokulturelle Faktoren

Soziokulturelle Faktoren werden durch Familie, Schule und Massenmedien vermittelt. Als wichtig für die Entstehung von Ess-Störungen gelten die folgenden Einflüsse:

Schlankheitswahn

Für den Einfluss soziokultureller Einflüsse spricht die erhöhte Zahl von Essstörungen in der westlichen Welt gegenüber anderen Kulturkreisen. Durch die Globalisierung scheint aber auch hier ein Wandel im Schönheitsideal stattzufinden - im Sinne einer Ausbreitung des westlichen Schlankheitsideals.

Das gesellschaftliche Ideal hat sich immer mehr in Richtung einer extremen Schlankheit gewandelt und ist für die meisten Frauen unerreichbar geworden. Die Einflüsse des gesellschaftlichen Schönheitsideals zeigen sich bereits bei GrundschülerInnen, welche ihren Körper als zu dicken wahrnehmen und bereits Diäten durchführen.

Der Grund für den großen Einfluss dieses Schlankheitsideals wird darin gesehen, dass das von den Medien dargestellte Ideal vor allem bei Frauen gleichzeitig an positive Attribute wie Attraktivität, Glück und Erfolg gekoppelt ist.

In welchem Ausmaß sich eine Person dem Schlankheitsideal jedoch beugt, ist von mehreren Faktoren abhängig. Vorhandene Körperunzufriedenheit, depressive Stimmung, eine Tendenz seinen Körper mit dem anderer zu vergleichen, geringes Selbstwertgefühl, Schwierigkeiten mit der eigenen Identität können zu einer stärkeren Verinnerlichung des Schlankeitsideals führen.

Veränderung der Frauenrolle

Die gesellschaftliche Rolle der Frau war in den vergangenen Jahrzehnten einem ständigen Wandel unterworfen. Die “ideale Frau von heute” sieht sich einem zunehmenden Druck ausgesetzt. Neben dem traditionellen Rollenbild der guten Mutter und Familienfrau sollen Frauen gegenwärtig berufs- und karriereorientiert sein.

Das Sich-Behaupten im Berufsleben führt jedoch für Frauen unweigerlich zu einem Abweichen von Geschlechtsstereotypen und in weiterer Folge zu Spannungen, die zu Belastungen führen können. Die soziale Umwelt ist heute zwar im Hinblick auf die Forderung zur Einhaltung der Geschlechterrollen toleranter, jedoch ist für die einzelne Person ungewiss bis zu welchem Maß und in welchen Bereichen Abweichungen toleriert werden.

Durch diese hohen und zum Teil widersprüchlichen Erwartungen der modernen Industriegesellschaft an die Erfüllung der Geschlechterrolle können im Einzelfall erhebliche Konflikte auftreten. Mehrere Autorinnen und Autoren weisen darauf hin, dass gerade essgestörte Frauen sich sehr darum bemühen, all diese Rollenanforderungen zu erfüllen und die Essstörung der Preis für die Anstrengung und Überforderung sei.

 

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