Wenn Essstörungen krank machen

Der Kult um Schönheit und Körper stellt einen idealen Nährboden für die Entwicklung von Essstörungen dar. Der Weg heraus führt nur über den eigenen Selbstwert.

Essstörungen haben viele Gesichter: Magersucht, Ess-Brechsucht, Esssucht oder andere nicht näher bezeichnete Essstörungen. Seit 1998 haben sich deshalb 23.678 Personen telefonisch an die Hotline für Essstörungen gewandt. Beim Beratungsangebot der Hotline für Essstörungen per E-Mail sind seit 2004 rund 4.650 E-Mail-Anfragen zum Thema Essstörungen eingegangen.

Laut einer HBSC-Erhebung des Ludwig-Boltzmann-Institutes für Gesundheitsförderungsforschung von Schülerinnen und Schülern zum Thema Gesundheit fühlen sich 46 Prozent der Mädchen als zu dick und bereits 37 Prozent der elf bis 17-Jährigen versuchen abzunehmen, Tendenz steigend. Diäten, restriktives Essen und der Boom unterschiedlichster Ernährungsphilosophien schüren die eigene Unsicherheit und können die Entwicklung einer Essstörung unterstützen.

Essstörungen sind keinesfalls Ernährungsprobleme, sondern ernstzunehmende psychische Erkrankungen. Das problematische Essverhalten ist ein Ausdruck dafür, dass belastende und/oder herausfordernde Situationen nicht zu bewältigen sind. Die Kontrolle bzw. Nicht-Kontrolle über das Essen und schlussendlich über den Körper sind Antworten auf schwer lösbare seelische Konflikte und mögliche Ablösungs- und Veränderungsprozesse.

Gerade junge Menschen, die sich in Entwicklungsphasen befinden, sind anfällig für die in Werbung und Magazinen abgebildeten geschönten Frauen- und Männerkörper. Diese werden zu Identifikationsfiguren, die Glück, Anerkennung und Wertschätzung versprechen, sofern man diese Körperideale erfüllt. Fit und schlank heißt die Devise. Und um diese Ziele zu erreichen und aktuellen Schönheitsidealen zu entsprechen, werden Körper und Essen kontrolliert und gemaßregelt – alles Voraussetzungen für die Entwicklung einer Essstörung.

Essstörungen sind eine Erkrankung, bei der individuelle, familiäre, soziale und gesellschaftliche Faktoren zusammenspielen. Um eine Essstörung zu bewältigen ist psychotherapeutische Unterstützung mit medizinischer Begleitung die beste Möglichkeit.

Gegensteuern!

Den Selbstwert unterstützen sowie den gesellschaftlichen Druck kritisch beleuchten und hinterfragen sind für ExpertInnen wichtige Punkte, um der Krankheit vorzubeugen. Man müsse bereits im Kindergarten vermitteln, dass die Persönlichkeit mehr wiegt als das Aussehen. Wichtig ist früh für das Thema zu sensibilisieren – durch eine kritische Auseinandersetzung mit Medien, deren Bildern und Inhalten. In diesem Sinne bietet die Hotline für Essstörungen der Wiener Gesundheitsförderung in Kooperation mit dem Wiener Programm für Frauengesundheit neben Telefon- & E-Mail-Beratung durch Öffentlichkeitsarbeit wichtige Aufklärungsarbeit und Sensibilisierung für das Thema an.

Übrigens: Von 10.000 Frauen haben nur sechs (!) das „Traummaß“ 90-60-90. „Es ist also an der Zeit, von diesem unrealistischen Vorbild wegzukommen“, so Prof. Dr. Wimmer-Puchinger, Leiterin des Wiener Programm für Frauengesundheit, das sich schwerpunktmäßig mit den Themen rund ums Frausein beschäftigt.

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