Fit mit jedem Schritt: Bewegt sein im Alltag

Regelmäßiges Gehen, Radeln oder Gartenarbeit reduzieren das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Und damit fördert man auch das Wohlbefinden.

Treppe statt Lift, Fahrrad statt Auto, zu Fuß gehen statt in die U-Bahn zu steigen – es sind die kleinen Dinge und Wege im täglichen Leben, die uns fit halten. Wer sich bewusst aktiv bewegt, kurbelt Kreislauf und Blutdruck an, stärkt das Immunsystem und wird seltener krank. Studien belegen sogar, dass ein hohes Maß an Alltagsaktivitäten auf Dauer vergleichbare Gesundheits- und Fitnessergebnisse bewirkt wie ein konventionelles Trainingsprogramm. Grundsätzlich gilt: Drei bis vier über den Tag verteilte Bewegungsimpulse, vor allem ausdauernde Tätigkeiten mit einer Mindestdauer von zehn Minuten, führen zu einer Förderung des individuellen Fitnesslevels und zu einer Verbesserung der Gesundheit.

Büro- statt Feldarbeit.

Doch die moderne, schnelle Lebenswelt verlockt Menschen dazu, sich immer weniger zu bewegen. „Während bis zum Ende des 19. Jahrhunderts die meisten beruflichen Tätigkeiten schwere körperliche Arbeit waren, so lassen wir heute die Schwerarbeit von Maschinen verrichten“, bringt es der Bewegungsmediziner und Buchautor Dr. Paul Haber auf den Punkt.

Ganz klar, die Arbeitswelt hat sich gewandelt: Damals wurden durch die Arbeit durchschnittlich 3.500 Kilokalorien am Tag verbraucht. Physische Arbeit rückte immer mehr in den Hintergrund. Die Elektronisierung mit Computern, Internet, Telefon, Fax und Co fesselt immer mehr Menschen an den Schreibtisch. „Das ist der Grund, warum seit den 50er-Jahren der Kilokalorienverbrauch auf 2.500 zurückgegangen ist“, erklärt Haber. „Und er sackt immer weiter ab.“

Besonders bedenklich ist, dass sich die Menge der Nahrungsaufnahme nicht dementsprechend mitverändert hat. „Viele Menschen nehmen mit der Nahrung mehr Energie auf, als sie mit Bewegung verbrauchen“, weiß der Mediziner. Der Überschuss wird als Fett in den Fettzellen deponiert und bietet, bei zu wenig Bewegung, die Basis für Übergewicht und Fettleibigkeit. Folgeerkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems sind nicht selten und es gibt Auswirkungen auf die Lebenserwartung.

Verlust an Bewegung.

Deshalb ist es unbedingt notwendig, bewusst aktiv zu sein. Denn Habers Vergleich spricht Bände: Waren die Menschen vor rund 100 Jahren täglich in Summe noch fünf bis sechs Stunden in Bewegung, so sind es heute im Schnitt nur noch 40 Minuten pro Tag! "Machen wir so weiter, sind die Aussichten schlecht", legt der Experte die Karten auf den Tisch. "Dann wird laut Schätzungen in Österreich ein Drittel der Bevölkerung übergewichtig, ein weiteres Drittel sogar krankhaft übergewichtig und nur ein Drittel normalgewichtig sein."

Mittel für gute Laune.

Sportmuffel müssen ja nicht gleich Gewichte stemmen. Dr. Haber rät, sich einen Schrittzähler zu besorgen und täglich über den Tag verteilt rund 8.000 Schritte zu tun. Ist der Körper in Aktion, steigert sich nicht nur die Fitness, sondern auch das Wohlbefinden. Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely weiß: "Bewegung ist ein wirksames Mittel gegen Depressionen, fördert die Hirndurchblutung und sorgt für gute Laune." Und all jenen, die meinen, keine Zeit für 8.000 Schritte zu haben, nimmt Haber den Wind aus den Segeln. Er weiß: "Es ist nachgewiesen, dass man für den Weg zu einem Standort, der sich in einem Radius von 1,5 Kilometern rund um einen selbst befindet, zu Fuß schneller ist als beispielsweise mit dem Auto." Immerhin muss man erst zum Parkplatz gehen, dann an Ampeln halten und schließlich erneut einen Parkplatz finden. Die Analyse hat ergeben: Wer direkt von Tür zu Tür spaziert, ist im Durchschnitt schneller.

Ausdauer- und Krafttraining.

Alltagsbewegung bringt also viel, spart sogar Zeit und fördert den Energieverbrauch. Für noch mehr Ausdauer rät Dr. Haber zusätzlich zu gezieltem Muskeltraining. Untersuchungen haben nämlich gezeigt, dass durch regelmäßiges, zügiges Gehen das Risiko eines Herzinfarktes um rund 40 Prozent gesenkt wird. Bei jenen, die regelmäßig Sport betreiben, sind es sogar 60 Prozent! "Neben aktiver Bewegung im täglichen Leben empfehle ich drei Mal pro Woche Ausdauertraining in Form von zum Beispiel Joggen oder Schwimmen", meint der Mediziner. Dabei aber nie ins Keuchen kommen, sondern das Tempo stets der eigenen Kondition anpassen. Also: Bewegung bewirkt viel in Körper und Geist. Mit kleinen Schritten anfangen - egal wie alt man ist. Denn es ist nie zu spät zu beginnen!

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